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Vor Salman steht eine Glasvase mit herrlichen Bergblumen, auf seinem Gesicht spiegelt sich stille Freude. Er ist der Älteste in der Gruppe der 16 afghanischen Männer, die über den FRW die einmalige Gelegenheit hatten, für vier Tage (13. bis 16. Juli 2017) auf ein Ressourcen-stärkendes Naturlager nach Grindelwald in ein Ferienheim zu fahren. Ermöglicht wurde das Lager durch eine grosszügige Spende der Gemeinde Zug.

 

Andächtig zieht Salman mit dem Pinsel grüne Striche und bildet die roten und gelben Blüten, die vor ihm in der Vase als Modell stehen, auf seinem Blatt ab. Zum ersten Mal in seinem Leben malt er ein buntes Bild mit Wasserfarben. Die jüngeren Naturlager-Teilnehmer schlagen draussen auf der Wiese kraftvoll die Schmetterbälle beim Volleyballspiel – die Szene ist umrahmt von Wetterhorn und Eiger, mit Blick auf die Grosse Scheidegg. Auch nach sechs Stunden Wanderung durch grüne Matten und schattige Tannenwälder, vorbei an rauschenden Wasserfällen, überrascht von den ersten reifen Heidelbeeren am Wegesrand, haben sie noch Reserven genug für das schnelle Spiel.

 

Freilich kommen bei den Gesprächen unterwegs zu zweit auch Bilder aus der Vergangenheit hoch: das steinige Land ohne Hoffnung, aus dem sie geflüchtet sind. Die immer währende Angst vor Gewalt und Terror. Erniedrigende Behandlung und horrende Geldsummen, die unter der Hand bezahlt werden müssen für den Weg in ein menschenwürdigeres Dasein.

 

Dennoch gibt es im Leben wohl immer wieder einen Neubeginn. Diese Erfahrung holen sie sich bei einem Spaziergang in die Umgebung des Freizeitheimes jetzt auch ins Haus: Die Natur selbst ist dabei der Lehrmeister für die unbändige Kraft, die neuen Mut und stärkende Hoffnung bietet.

 

Sinnbilder aus der Natur

 

Rahim zeigt eine krumme Pflanze mit langer Wurzel: „Manchmal geht es uns wie einem kleinen Baum, dem durch einen grossen Stein die Hauptlebensrichtung genommen wurde. Man muss einfach drum herumwachsen.“ Gholami legt einen weissen Riesenpilz auf das Tuch in der Bodenmitte. Eine Monsterausgabe dieser Art! In wenigen Tagen wächst so ein Lebewesen unter guten Bedingungen empor. Amin schlägt die grünen Pflanzenblätter zurück, die den Schatz in seiner Hand verbergen: ein Frosch hüpft in die Plastikkiste am Boden. Die Schönheit und Vielfalt der Bergblumen mit ihren intensiven Farben, seltene Pilze, rote Walderdbeeren und Brennnesseln, die gleichzeitig weh tun und heilen als Teeaufguss, zeichnen ein Bild der Herrlichkeit der Natur.

 

Sherhossein wickelt eine Schnecke aus seinem Blätterpäckchen. „In das Haus kann man sich zurückziehen, wenn es gefährlich wird“, meint er lachend. Ashraf J. und Ali tragen schmunzelnd, zwischen Wurzelstöcken eingeklemmt, einen Schneebrocken ins Haus. Sie sind weit zum Hang hochgelaufen, wo der Fels am Berg anfängt und der Gletscher von oben hin und wieder schiebt und abbricht. „Wenn eine Lawine kommt und dich lebendig begraben will, musst du schnell weglaufen. Du musst sofort handeln, ohne lang nachzudenken, dann bleibst du am Leben.“ Alle in der Gruppe wissen, was er meint. Hakim zum Beispiel war viele Jahre bei der Polizei in Afghanistan, die die Verteidigungsstellungen gegen die Taliban organisierte. Ashraf D. zeigt stolz eine soeben fotografierte Gämse auf seinem Smartphone. Er ist der Letzte, der nach langen zwei Stunden von seiner stillen Naturerkundung zurückkommt. „Ich habe viele Jahre vierzehn Stunden am Tag gearbeitet, nur Arbeit, Essen, Schlafen, das war mein Leben.“

 

Im Spiel sich finden

 

Am nächsten Tag beim Wandern zieht Basir seine Flöte aus dem Rucksack und erfreut die Gruppe mit seinen traditionellen Hirtenmelodien. Die Welt der Berge mit ihren abgelegenen kleinen Bauernhöfen und Alpen ist ihm vertraut. Am Hornseeli schnippen alle mit flachen Steinen auf der Wasseroberfläche um die Wette. „Wie viele Brote backst du heute?“, rufen sie mir zu, und ich muss raten, wie oft der Stein wohl auf das Wasser trifft.

 

Dass die jungen Männer keinesfalls einfältige Bergleute sind, stellen sie am folgenden Vormittag unter Beweis. Die Aufgabe heisst, ein rohes Ei dermassen zu polstern mit einer begrenzten Menge an Papier, Strohhalmen und Schnur, dass es einen Fall aus dem zweiten Stockwerk heil übersteht. Begeistert konstruieren und basteln die Anfang Zwanzigjährigen mit viel Phantasie und praktischem Sinn Propeller, Fallschirme und Korbgeflechte aus Strohhalmen. Unter Applaus und Gejohle lassen die Teams ihre Ei-Pakete aus dem Fenster fallen und reissen unten dann gespannt die Papiermäntel auf. Tatsächlich überlebt nur ein einziges Ei unbeschadet den Sturz.

 

 

Zum Dank ein gemeinsames Mal

 

Trotz langer Spielabende mit Karten und Rätseln und viel Lachen haben die jungen Männer am Schluss noch Energie, beim Freizeitheim die Holzscheite vom Schuppen in den Keller zu tragen. Sie machen sich eifrig an die Arbeit mit Handschuhen und Schubkarre, und die älteren Damen der Küchenmannschaft im Haus zeigen ihre Anerkennung mit einer spontanen Umarmung. Die Afghanen haben indes ihre eigene Art, ihren Dank für diese vier geschenkten Tage in der Natur zu zeigen: Sie kaufen Poulet-Schlegel und Tomaten, legen alles in würzigem Zwiebelsud ein und braten das Fleisch und Gemüse auf dem Rost am Lagerfeuer. Selbstverständlich sind alle vom Haus dazu eingeladen, und es gibt wie bei jeder ihrer Mahlzeiten viel, viel Brot dazu.

 

Die wehmütige Heimfahrt mit den zwei Minibussen wird noch kurz unterbrochen durch ein kühlendes Bad im türkisblauen Lungerer See. Und was wäre die Gruppe ohne Noworus, der die ganze Fahrt über, von den Bergen in Grindelwald bis hinunter nach Hergiswil, singt: ein afghanisches Lied nach dem anderen, ermutigt und lebensfroh.

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